{"id":2509,"date":"2008-05-18T11:31:56","date_gmt":"2008-05-18T11:31:56","guid":{"rendered":"http:\/\/simpatico-melograno.it\/?p=2509"},"modified":"2008-05-18T11:31:56","modified_gmt":"2008-05-18T11:31:56","slug":"podere-forte-a-roma","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/simpatico-melograno.it\/?p=2509","title":{"rendered":"PODERE FORTE a Roma"},"content":{"rendered":"<p>PR\u00c4ZISIONS-WEINBAU<br \/>ENTSTEHUNG UND BEWIRTSCHAFTUNG DES WEINGUTS \u201ePODERE FORTE\u201c<br \/>in Castiglione d\u2019Orcia (Siena)<\/p>\n<p>Vortrag von Rocco Lettieri anl\u00e4sslich des<br \/>Seminars \u201eInnovation \u2013 Die Weine von morgen\u201c<\/p>\n<p>Ich begr\u00fc\u00dfe die Anwesenden.<br \/>Man wei\u00df nie genug. Das ist kein Sprichwort, sondern eine Binsenweisheit. Ich bin im Alter von 59 Jahren in Rente gegangen, nach 45-j\u00e4hriger Berufst\u00e4tigkeit (fr\u00fcher sprach man von Beitragsmarken \u2013 es waren Eintr\u00e4ge ins Sozialversicherungsbuch, denen man entnehmen konnte wo und f\u00fcr wen man gearbeitet hatte). Ich begann mit 14, nach Abschluss der Mittelschule. Mit 25 gr\u00fcndete ich einen Verein f\u00fcr Weinliebhaber, die \u201eUnione Simpatizzanti del Vino\u201d, danach besuchte ich Abendkurse, abwechselnd  in Buchhaltung und in Politischen Wissenschaften an der Universit\u00e4t Mailand. Durch meinen Hauptberuf als B\u00e4ckermeister hatte ich Gelegenheit, eine journalistische Laufbahn als Wein-und Gastrokritiker zu beginnen indem ich f\u00fcr verschiedene italienische und schweizerische Zeitschriften schrieb und schlie\u00dflich (dank des gro\u00dfen Lehrmeisters Gino Veronelli den ich seit 1978 kenne) wurde ich Verkoster f\u00fcr mehrere Weinf\u00fchrer, eine T\u00e4tigkeit, die mir viel Freude macht.<br \/>Das alles habe ich lediglich erw\u00e4hnt um zu sagen dass ich bei meiner Pensionierung eigentlich glaubte mich auszuruhen, in der \u00dcberzeugung allerhand zu wissen \u00fcber Weine und Speisen und alles was sich um dieses faszinierende Ambiente dreht. Wer h\u00e4tte je gedacht, dass ein gewisser Herr FORTE (dt. STARK) meinen Weg kreuzen w\u00fcrde, und er war stark, dem Namen wie dem Wesen nach. Ich kannte ihn damals als Einwohner meiner Ortschaft (wir wohnen nur 6 km voneinander entfernt) der bekannt war f\u00fcr seine Elektronik-Unternehmen und vor allem f\u00fcr sein toskanisches Landgut im Orcia-Tal, wo Oliven\u00f6l und Weine erzeugt werden (ich hatte die Weine bei verschiedenen Anl\u00e4ssen probiert und einen Artikel f\u00fcr die Zeitschrift Ex Vinis dar\u00fcber geschrieben).<br \/>Es fehlte noch ein Monat bis zum Ende meiner Arbeit als Grenzg\u00e4nger in der Schweiz als ich vom Podere Forte eine Einladung zu einem Galadinner im Mail\u00e4nder Nobelrestaurant Aimo und Nadia erhielt. Ich gehe begeistert hin und nach einer Weile fragt mich Herr Forte wie lange ich noch im Tessin zu arbeiten habe. Meine Antwort: noch einen Monat, dann gehe ich in Rente. Und er: in Rente??? Das ist ja wohl ein Scherz. Komm zu mir aufs Gut und mach dich n\u00fctzlich. Such dir eine Aufgabe und es wird mir ein Vergn\u00fcgen sein, dich bei mir in der Toskana zu besch\u00e4ftigen.<br \/>Es kommt gewiss nicht alle Tage vor, dass einem mit 60 noch ein Job angeboten wird. Ich verlange ein wenig Bedenkzeit, spreche mit meiner Familie dar\u00fcber.  Am 6. Februar 2006 bin ich in Castiglione d\u2019Orcia, hingerissen von der Sch\u00f6nheit der Landschaft die auch von der UNESCO anerkannt wurde. Auch hier gehe ich die Dinge langsam an, schaue mich um und versuche mich n\u00fctzlich zu machen,  nicht so sehr um mir meine sprichw\u00f6rtlichen Br\u00f6tchen zu verdienen (die vergangenen 32 Jahre haben daf\u00fcr ausgereicht) sondern eher das Vertrauen von Forte, der mir ein B\u00fcro, eine Unterkunft, einen Lohn und eine Arbeit in einem der innovativsten Unternehmen der Region in Aussicht gestellt hatte, in einem Wort, um weiter zu arbeiten und dabei noch Spa\u00df zu haben.<br \/>Nach drei Monaten habe ich keine Bedenken mehr: ich werde als PR t\u00e4tig sein und die amerikanische Kollegin, die f\u00fcr das Marketing verantwortlich ist, l\u00e4sst auf meine Visitenkarten drucken: Key Account Manager. Meine Englischkenntnisse reichen nicht aus um diesen Begriff zu deuten. Sie sagt mir, dass ich auch f\u00fcr einige andere Bereiche zust\u00e4ndig sein werde: ich bin der Schl\u00fcssel der alle T\u00fcren \u00f6ffnet (f\u00fcr Kunden, Vertreter  und Besucher). Es kommen Zweifel auf, ob das alles echt Spa\u00df machen wird. Und tats\u00e4chlich, nach 6 Monaten wird mir klar dass es hier nicht nur ums Vergn\u00fcgen geht und eigentlich hatte ich nicht vor, mir mit 60 noch einmal die \u00c4rmel hochzukrempeln. <br \/>An dieser Stelle betritt FORTE die B\u00fchne, er ist alles andere als schwach. Ein Vulkan der alle Mitarbeiter in seinen Bann zieht und derart mitrei\u00dft, dass es in seinen verschiedenen Unternehmen etliche Belegschaftsmitglieder gibt die seit \u00fcber 35 Jahren mit ihm zusammenarbeiten, also seit Beginn seiner Laufbahn, und alle sch\u00e4tzen und respektieren ihn. Wir setzen uns zusammen und mir wird bald bewu\u00dft, dass er \u00fcber alles m\u00f6gliche bestens Bescheid wei\u00df, auf jedem Wissensgebiet. Er spricht \u00fcber Oliven\u00f6l, \u00fcber einzelne Sorten, \u00fcber Wein und Reben, \u00fcber por\u00f6ses Schieferkalkgestein und \u201eterroir\u201c, \u00fcber R\u00fccksichtnahme auf die Natur und den Boden, den Boden, und nochmals den Boden, fast als wolle er eine Titelseite von Veronelli\u2019s Ex Vinis heraufbeschw\u00f6ren; dann erkl\u00e4rt er mir, dass hier Bioanbau und Biodynamik betrieben werden unter Anwendung der Methoden Steiners und des Franzosen Joly, Erzeuger der Coul\u00e9e de Serrant im Loire-Tal und der Herren Bourguignon, Frankreichs unangefochtene Experten in Sachen Bodenstruktur; er redet \u00fcber Kompost, Humus, Regenw\u00fcrmer, die G\u00e4nge ins Erdreich graben in die das Wasser sanft eindringt ohne Umweltsch\u00e4den anzurichten, er berichtet von Weizen-Saatgut aus vergangenen Epochen, das er sich in den Samenbanken in Siena und in Foggia besorgt hat und das von uns vermehrt wurde um Hart-und Zartweizen anbauen, um Mehl herstellen zu k\u00f6nnen das wie in alten Zeiten duftet und das dem Brot, dem Geb\u00e4ck und Teigwaren den Geschmack verleiht, den wir verloren geglaubt hatten. Und all das erz\u00e4hlt er ausgerechnet mir, der ich 32 Jahre lang in der Backstube zugebracht habe (pl\u00f6tzlich f\u00fchle ich mich dumm wie ein Esel). <br \/>Dann erfahre ich alles \u00fcber schottische Suffolk-Schafe, die grasen ohne die jungen Pfl\u00e4nzchen auszurupfen und dabei gleich noch den Boden d\u00fcngen. Seine Beschreibung der vom Aussterben bedrohten Schweinerasse Cinta senese, die auf den aus dem Jahr 1338 stammenden Fresken von der guten Verwaltung von Ambrogio Lorenzetti im Gemeindepalast von Siena  abgebildet sind, ist gespickt mit Einzelheiten, es ist die Rede von Knollen, Eicheln, Kastanien, Wurzeln, aber auch von schlammigem Erdreich, Parzellen wo der Boden umgegraben wird und weiten Fl\u00e4chen wo diese Tiere nahezu frei gehalten werden, damit sie neben ihrem Revier im Wald auch Zugang zu einer vielf\u00e4ltigen vegetarischen Di\u00e4t haben (sie lieben verschiedene Sorten Mehl, Mais, Bohnen, Saubohnen, \u00c4pfel und dergleichen). Schlie\u00dflich kommt das Gespr\u00e4ch auf die W\u00fcrste die man daraus herstellt, allerdings nicht in der Toskana, weil die hiesigen Metzger diese Kunst verlernt haben. Deshalb werden die Schweine zu Massimo Spigaroli, dem K\u00f6nig des Edelschinkens Culatello  nach Polesine Parmense gebracht oder zu Piero Cipolla nach Camairago, der unter Kennern bekannt ist als Artigiano Radioso di Massobrio. Fortes Kenntnisse erstrecken sich auch auf die Bienenzucht, die Honiggewinnung, die Schwefelquellen in Bagno Vignoni und die Geschichte des Orcia-Tals und seiner einstigen Herrscherh\u00e4user, n\u00e4mlich der Salimbeni, Aldobrandeschi, Aggravi-Scotto, Tricerchi genannt Cicerchia, er kennt die Gem\u00e4lde von Lorenzo Di Pietro alias il Vecchietta, dem ein Museum gewidmet ist, das sich rein zuf\u00e4llig 10 Meter neben meiner Wohnung befindet. <br \/>Es dauert nicht lange bis mir klar wird, dass man auch mit 60 noch etliche Wissensl\u00fccken haben kann, dass viele Dinge wirklich wissenswert sind und es sich lohnt, die Gelegenheit zu nutzen die sich mir bietet, was nicht bedeutet, dass ich losgeschickt werde um Wein zu verkaufen, sondern Kunden auszuw\u00e4hlen, von denen viele bereits als Stammkunden gelte, und dann die entsprechenden Kontakte zu pflegen. Bis 2012 will das Weingut Forte langsam seine Produktion steigern, aber nur allm\u00e4hlich und das wird eine ziemliche Herausforderung.<br \/>Immerhin ist es gut zu wissen, dass Pasquale Forte sich auch weiterhin erfolgreich um seine anderen Unternehmen k\u00fcmmert, beispielsweise reist er in die T\u00fcrkei um sich mit den Technikern der Eldor Corporation zu beraten, anderswo ist seine Erfahrung in Sachen Pencil-Z\u00fcndspulen gefragt, mit denen hochleistungsf\u00e4hige Superbikes ausgestattet werden, hier befasst er sich mit Dieselfeinstaubfiltern, da  mit der Entwicklung alternativer Energiequellen und neuer Technologien zur Erh\u00f6hung der Effizienz von Kraftstoffen. So verwundert es nicht, wenn die anerkannte Tageszeitung IL SOLE 24 ORE Pasquale Forte eine ganze Seite widmet weil er im Rahmen des Projekts \u201eionisierende Str\u00f6mungen\u201c vom Ferrari Management in Maranello pr\u00e4miert wird als innovativster Zulieferer des Jahres 2007. <br \/>Um auf unser Thema zur\u00fcck zu kommen, sollte ich wohl endlich Stellung nehmen zur Frage \u201eWelche Weine werden wir in Zukunft trinken?\u201c.  Nachdem ich die Herangehensweise im Weingut Forte nun einigerma\u00dfen kennen gelernt habe, frage ich mich, wie es m\u00f6glich ist, dass beinahe t\u00e4glich neue Weing\u00fcter ins Leben gerufen werden die sofort eine betr\u00e4chtliche Anzahl an Flaschen produzieren. Aber was ist da drin? Ist die Verpackung wom\u00f6glich mehr wert als der Inhalt? <br \/>Falls es stimmt, dass der Wein im Weinberg entstehen und aus Traubensaft hergestellt sein sollte, wie kann es dann sein, dass etliche Kellereien schon nach drei, vier Jahren auf vollen Touren laufen und Hunderttausende von Flaschen auf den Markt bringen? Sind all diese Oenologen wirklich so clever, die alles \u00fcber Wein und auszusto\u00dfende Flaschenanzahl wissen und recht wenig \u00fcber das was im Weinberg vor sich geht? <br \/>Denn es l\u00e4sst sich leicht ausrechnen, wie viel Zeit ihnen verbleibt um sich die Schuhe im Weinberg  schmutzig zu machen wo sie doch st\u00e4ndig unterwegs sind zu Verkostungen und Konsultationen, von Triest nach Sizilien, vom Piemont in die Toskana und weiter nach Apulien. <br \/>Wenn ich mich in der Toskana aufhalte arbeite ich Seite an Seite mit einem jungen Oenologen dem, obwohl er sich momentan nur um 20.000 Flaschen zu k\u00fcmmern hat, kaum Zeit f\u00fcr sich und seine Familie bleibt.  Verlangt Pasquale Forte wom\u00f6glich zuviel oder ist es einfach notwendig st\u00e4ndig ein Auge auf den Weinkeller zu haben? Wo nimmt man freie Zeit her wenn so verschiedene Aufgaben anstehen wie Laboranalysen, Empfangnahme von Barrique-F\u00e4ssern, Reinigung der Kellerei-ger\u00e4tschaften, \u00dcberwachung der Rebst\u00f6cke und der meteorologischen Instrumente, Weinlese, regelm\u00e4\u00dfige \u00dcberpr\u00fcfung  der Fermentation in den G\u00e4rbeh\u00e4ltern, Umf\u00fcllen, Verkosten, Abf\u00fcllen? Zugegeben, er wird von einem Kellerassistenten unterst\u00fctzt, ein Assistent ist im Labor vollbesch\u00e4ftigt und eine ganze Brigade bew\u00e4ltigt die Arbeit in den Weinbergen, aber umso mehr fragt man sich, wie viele Besch\u00e4ftigte br\u00e4uchte man in einem Gut das Hunderttausende von Flaschen erzeugt?<br \/>Ich meine, wenn man zur Weinerzeugung Arbeitskr\u00e4fte braucht, wo findet man und wie misst man echte Qualit\u00e4t?<br \/>Bei den Verkostungen an denen ich als Weinjournalist teilnehme, sto\u00dfe ich auf eine Menge Weine die alle gleich schmecken, wo die Unterschiede von einer Region zur anderen immer unmerklicher sind, Sangiovese der eher an Montepulciano d\u2019Abruzzo erinnert, apulische Weine die von sizilianischen nicht zu unterscheiden sind, Aglianico der genauso  nach Holz schmeckt wie ein Barolo oder ein Barbaresco, pechschwarze Brunello-Weine die sich an die Z\u00e4hne klammern wie unreife Khakifr\u00fcchte und die man nicht einmal mit dem Trichter den Hals hinunter bekommt. Ihr Trinkgenuss: null.<\/p>\n<p>Wie soll ein gro\u00dfer Wein beschaffen sein, habe ich Forte gefragt. <br \/>Die Antwort war simpel, glasklar: \u201e\u2026ein gro\u00dfer Wein ist Musik, Harmonie, Genuss und Eleganz. Wir haben es mit einem gro\u00dfen Wein zu tun wenn die Flasche schnell leer wird und gleich die n\u00e4chste verlangt wird. So wie unser Petruccio, der zu 85% aus Sangiovese-Trauben gemacht ist und von dem wir zu viert bei einem Antipasto und einem Nudelgericht drei Flaschen genossen haben. Ich weise darauf hin, dass keiner von uns anschlie\u00dfend Auto fahren musste, aber selbst das w\u00e4re gegangen, denn am Ende des Mahls war der Wein schon assimiliert.\u201c<\/p>\n<p>Auf die Frage: haben Sie mir irgendwelche Anregungen f\u00fcr das Seminar in Rom mit auf den Weg zu geben?<br \/>lautete Fortes Antwort so: \u201eF\u00fcr uns im Podere ist der Wein das wichtigste Erzeugnis und wir arbeiten hart um herauszufinden wie unser Land beschaffen ist und welche Parzellen die besten sind. Die Weinberge, die die Franzosen Grand cru nennen, haben wir auf Grund von Bodenuntersuchungen in diesen letzten zehn Jahren so klassifiziert und ausgew\u00e4hlt,  dass sie f\u00fcr die jeweils dort gewachsenen Fr\u00fcchte einfach perfekt geeignet sind. Deshalb kommen die Trauben f\u00fcr die Weine Petruccio und Guardiavigna von den besten Parzellen des Podere, wo die Durchl\u00e4ssigkeit der B\u00f6den und ihre aus por\u00f6sem Schieferkalk bestehende Substanz die Erzeugung mineralischer Weine erlaubt. Da wo die B\u00f6den tiefgr\u00fcndiger, leichter und nur von mittlerem Tongehalt sind, entstehen frische aber dennoch gehaltvolle Premier-cru-Weine. Der Unterschied zwischen den beiden cru-Typen liegt  in der Bodendicke oberhalb des tiefer liegenden Schiefergesteins. Bei den Grand-cru-Parzellen misst diese obere Erdschicht zwischen 25 bis 50 cm, wogegen man am Fu\u00df der Hanglagen, wo sich erosive Anh\u00e4ufungen gebildet haben,  50 bis 120 cm dickes Erdreich vorfindet. Diese Unterschiede haben uns dazu bewogen, nur mit  sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlten Rebsorten zu arbeiten und unsere ganze Energie in die Erzeugung der Trauben zu stecken. Das bedeutet, Reben die unter ausgeglichenen Bedingungen wachsen und hervorragendes, gesundes Lesegut hervorbringen. In diesem Zusammenhang m\u00f6chte ich kurz auf den Moment des R\u00fcckschnitts eingehen, der au\u00dfer durch die Rebsorte auch durch das Alter jeder einzelnen Pflanze bedingt ist. Unter Anwendung wissenschaftlicher  Methoden haben wir damit begonnen, einen (extrem) pr\u00e4zisen Weinbau zu betreiben. Der R\u00fcckschnitt ist grundlegend indem eben nur eine individuell an jede Rebe angepasste Ma\u00dfarbeit sp\u00e4ter die Trauben f\u00fcr ganz gro\u00dfe Weine hervorbringt. Der richtige Zeitpunkt ist enorm wichtig, keinesfalls vor dem 24. Januar, in der erdgerichteten Phase, wenn die Rebe nur im Wurzelbereich aktiv ist und wohin von der Lymphe jetzt N\u00e4hrstoffe, aber auch Krankheiten transportiert werden k\u00f6nnen. Wenn der R\u00fcckschnitt in der erdfernen Phase erfolgt, d.h. wenn die Pflanzens\u00e4fte nach oben steigen und die neue Vegetation beginnt, besteht keine Gefahr mehr, durch die Schnittstellen Krankheitserreger in die Pflanze zu bringen. <br \/>Von gro\u00dfer Bedeutung ist auch das Laub, das der Rebe eine optimale Photosynthese erm\u00f6glicht. In der Praxis bedeutet das, dass pro Kilo Trauben mindestens ein Quadratmeter Blattwerk n\u00f6tig ist um die Frucht perfekt reifen zu lassen. Durch gro\u00dfe Hitze kann die Photosynthese fast zum Erliegen kommen und schon eine geringe Verlangsamung bedeutet eine Verz\u00f6gerung der Reife. Jeder einzelne Arbeitsschritt  muss aufmerksam \u00fcberwacht werden, Verz\u00f6gerungen oder Beschleunigungen \u00e4u\u00dfern sich im Wein als Komplexit\u00e4t der Aromen oder als krautige T\u00f6ne. <br \/>Jede Jahreszeit birgt ihre Risiken, Reben brauchen einen gewissen Wasservorrat. Die B\u00f6den m\u00fcssen so bearbeitet werden, dass sie selbst bei gro\u00dfer Hitze nicht v\u00f6llig austrocknen und hart backen. Zur Vorbeugung setzen wir nur superleichte, elektrisch angetriebene Traktoren zur Auflockerung des Erdreichs ein, damit die obere Erdschicht nicht komprimiert wird. An kritischen Stellen werden N\u00e4hrstoffe nach biodynamischen Prinzipien von Hand eingearbeitet. In dieser Phase, die wir die Herbstd\u00fcngung nennen, kommen zwei verschiedene Arten von gutseigenem Kompost zum Einsatz. Zum einen der aus biologischer Haltung stammende Kompost aus Kuhmist, der mit biodynamischen Pr\u00e4paraten versetzt wird, zum anderen aus pflanzlichen Abf\u00e4llen, vor allem Baumschnitt, entstandener Kompost. Den tendenziell trockenen, flachgr\u00fcndigen B\u00f6den setzen wir reifen Kuhmist zu, w\u00e4hrend die \u00fcppigeren, tiefgr\u00fcndigen B\u00f6den vorwiegen mit pflanzlichem Kompost angereichert werden, denn dadurch wird die Struktur aufgelockert und ein idealer Lebensraum f\u00fcr n\u00fctzliche Mikroorganismen geschaffen. So kann der Rebstock sich durch seine Wurzeln alle notwendigen Substanzen aus dem Erdreich holen, wogegen mit chemischen Mitteln ern\u00e4hrte Reben wie Kranke an der Transfusionsnadel h\u00e4ngen und eingehen sobald deren Wirkung nachl\u00e4sst. Im Herbst bringen wir je nach Bedarf Saatgut von H\u00fclsenfr\u00fcchten und Gr\u00e4sern aus, dar\u00fcber verteilen wir Kompost um der Erosion vorzubeugen und der unterirdischen Fauna Nahrung zukommen zu lassen. <br \/>Bei der Weinlese konzentrieren wir uns vor allem auf die Entwicklung des Zuckergehalts in den Beeren, sowohl durch Kostproben als auch durch Laboranalysen. Der Zeitpunkt der Lese schwankt von Weinberg zu Weinberg, es wird in mehreren Durchg\u00e4ngen von Hand in flache Kisten gelesen. Wir bem\u00fchen uns intakte, vorher grob entstielte Beeren in die G\u00e4rwannen zu bringen und das gelingt uns zu 95%. Alle Arbeitsschritte erfolgen durch den freien Fall, so dass die G\u00e4rung fast spontan in Gang kommt mit anschlie\u00dfender Mazeration, ohne dabei das Bouquet oder die Aromen zu beeintr\u00e4chtigen. Die Ber\u00fchrung der Kerne mit dem Most ist relativ gering weil sie in der Schale verbleiben, daher gelangen wenig bittere Tannine in den Wein. Jedem Holzbeh\u00e4lter (tinaia) ist ein Edelstahlbeh\u00e4lter zur d\u00e9lestage und zum Mostabstich zugeordnet. Die alkoholische G\u00e4rung erfolgt spontan und nur in Ausnahmef\u00e4llen helfen wir mit sorgsam ausgew\u00e4hlten Hefen nach. Die Maischeg\u00e4rung dauert etwa 12 bis 20 Tage, w\u00e4hrenddessen die Extraktion der Farb-und Geschmacksstoffe st\u00e4ndig durch Kostproben und Laboranalysen kontrolliert wird. <br \/>Seit einigen Jahren kommt in unserem Weinkeller ein Protokoll zur Anwendung, das die Besonderheiten der einzelnen Jahrg\u00e4nge ber\u00fccksichtigt. Der Austritt des Mosts wird unterst\u00fctzt von vorsichtiger Pressung, die Extraktion wertvoller  Gerb-und Farbstoffe erfolgt durch manuelles Keltern. Bei der Verarbeitung von Sangiovese haben wir in j\u00fcngster Zeit eine Methode getestet, bei der der aus  Treber  bestehende Hut w\u00e4hrend des gesamten Fermentationsprozesses im Most eingetaucht ist. <br \/>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich sagen, dass die letzte Weinlese uns einen der bisher aufregendsten Jahrg\u00e4nge im Podere beschert hat. Der Klimawechsel hat uns gezwungen, das Territorium neu zu interpretieren und die ersten Verkostungen k\u00fcndigen hervorragende Ergebnisse an. Im Weinkeller wird gerade mit dem Abziehen des Weins vom am Boden der F\u00e4sser gelagerten Niederschlag begonnen. Dabei gelangen Drucksensoren und ein Sauerstoff-Me\u00dfger\u00e4t zum Einsatz. Das verhalf uns wiederum zu der Erkenntnis, wie wichtig die Dicke der Holzlatten ist aus denen die F\u00e4sser bestehen. Deshalb lassen wir unsere F\u00e4sser aus 30 anstatt der \u00fcblichen 22 mm dicken Latten anfertigen. Im Fr\u00fchjahr, nach den ersten Abstichen, k\u00f6nnen wir realistische Einsch\u00e4tzungen machen \u00fcber den Charakter des neuen Jahrgangs, auch wenn er jetzt schon viel Befriedigung in zuk\u00fcnftigen Vergleichen verspricht. Kurz gesagt, wir bem\u00fchen uns das Territorium ins Glas zu bringen und was f\u00fcr ein Territorium! Bei alledem liegt uns vor allem die Erhaltung unserer Umwelt am Herzen, f\u00fcr unsere Kinder, Enkel und die kommenden Generationen.<\/p>\n<p>A cura di Rocco Lettieri<\/p>\n<p>Traduzione dall\u2019italiano di Elke Schemettow<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PR\u00c4ZISIONS-WEINBAUENTSTEHUNG UND BEWIRTSCHAFTUNG DES WEINGUTS \u201ePODERE FORTE\u201cin Castiglione d\u2019Orcia (Siena) Vortrag von Rocco Lettieri anl\u00e4sslich desSeminars \u201eInnovation \u2013 Die Weine<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/simpatico-melograno.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2509"}],"collection":[{"href":"http:\/\/simpatico-melograno.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/simpatico-melograno.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/simpatico-melograno.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/simpatico-melograno.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2509"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/simpatico-melograno.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2509\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/simpatico-melograno.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2509"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/simpatico-melograno.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2509"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/simpatico-melograno.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2509"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}