PODERE FORTE IN ROM

Podere Forte in der International Wine Academy in Rom

Im Februar 2007 stellte das toskanische Weingut Podere Forte in den eleganten Räumlichkeiten der International Wine Academy an der Spanischen Treppe fünf erlesene Rotweine vor, die das einzigartige Terroir ihrer Herkunft unverkennbar zum Ausdruck bringen: es ist das in der Provinz Siena, zwischen dem Monte Amiata und Montalcino, gelegene Orcia-Tal. In dieser Hügellandschaft findet man Zypressenhaine und mediterrane Macchia-Wälder, aber auch karge Flächen wo die berühmte Tonerde oder sogar der nackte Fels zum Vorschein kommt. Die Böden der Gegend enthalten grosse Anteile an Lehm, mit Einlagerungen von Sand und vulkanischem Urgestein. Dank seiner landschaftlichen Schönheit steht das gesamte Orcia-Tal unter dem Schutz der UNESCO.

Pasquale Forte hat hier ein altes Landgut mit seiner unverfälschten, authentischen Atmosphäre zu neuem Leben erweckt um Wein, Olivenöl, Mehl, Honig und Wurstwaren auf natürliche Art herzustellen. Wie er selbst mit berechtigtem Stolz sagt, „…bearbeiten wir unsere Felder wie vor 2000 Jahren und im Weinkeller sind wir der Entwicklung 2000 Jahre voraus…“.

Tatsächlich erzeugt das Podere Forte auf seinen 140 Hektar Land neben Rotweinen der Spitzenklasse ein hervorragendes Olivenöl aus den Sorten Frantoio, Moraiolo und Leccino mit dem DOP-Gütesiegel, Mehl aus verschiedenen seltenen alten Getreidesorten (Abbondanza, Autonomia B und Senatore Cappelli) sowie Bio-Honig; außerdem werden hier Schweine der bekannten Rasse cinta senese und eine Herde Suffolk-Schafe gehalten. Das gesamte Landgut einschließlich der Weinberge wird nach dem Prinzip der Biodynamik geführt.

Die insgesamt 15 Hektar Weinberge, von denen 5 erst vor wenigen Jahren angelegt wurden, liegen auf circa 500 m ü.M. und sind überwiegend nach Süden bzw. Südwesten ausgerichtet. Die aus Kalkschiefer bestehenden, sehr durchlässigen Böden weisen an der Oberfläche eine bis zu einen Meter dicke Lehmschicht auf.
Die Rebstöcke stehen in einer Pflanzdichte wie sie man sie sonst nur von den alten Römern kennt und sie werden mit kompostierten pflanzlichen Rückständen aus dem gutseigenen Baumschnitt und Reisig aus den eigenen Waldstücken gemulcht.

Der junge Oenologe Christian Cattaneo arbeitet unter Anleitung von Donato Lanati im fünfstöckigen Weinkeller, der raffiniert in einen der zahlreichen Hügel des Podere Forte hineingebaut wurde. Das Äußere besteht aus vor Ort vorkommendem Gestein während für die Innenräume Travertinmarmor, Ziegel und Holz verwendet wurden. Die technische Ausstattung ist avantgardistisch und auch in diesem Bereich wird die Achtung vor der Natur und ihren Produkten großgeschrieben. Dazu gehören Verfahrensweisen wie das Pressen der Trauben durch Ihr Eigengewicht, die Spontanvergärung des Mostes und der Verzicht auf die Filterung des Weins. Eine sehr fortschrittliche Technologie also, die den alleinigen Zweck verfolgt das natürliche Potential der Trauben bestmöglich zu interpretieren und zur Geltung zu bringen. Einen ersten Eindruck dessen vermittelt umgehend die unglaubliche Brillanz aller verkosteten Weine.

Der erste, Petruccino Orcia DOC 2004, besteht zu 85% aus Sangiovese-Trauben. Von rubinroter Farbe, mit violettem bis granatrotem Rand, weist er eine von efetten Schlieren am Glas angekündigte beachtliche Dichte auf. Die an rote Früchte, insbesondere Kirsche und Erdbeere erinnernde Nase fasziniert und wird potenziert durch Akzente von Menthol und Tabak. Der Gaumen bestätigt das Geruchsbild, hinzu kommt noch eine bei Rotweinen eher seltene salzige Note, die die enge Bindung dieses Sangiovese zu seinem Terroir widerspiegelt. Der typische, relativ hohe Säuregehalt und die 14,5 % Alkohol sind bestens integriert und ein ausgleichender Kontrapunkt zum noch jugendlichen Tannin. Dieser Tropfen ist schon jetzt trinkreif, läßt sich aber locker noch 8-10 Jahre gewinnbringend lagern. Die Trauben kommen von mehreren Parzellen die seit 1998 in Produktion sind. Erfahrungsgemäß dringen die Wurzeln dort bis zu einen Meter pro Jahr in das vielschichtige Erdreich vor, zukünftige Jahrgängen werden uns also noch komplexere Weine bescheren.

Petrucci Orcia DOC 2004
Das ist sozusagen der große Bruder des Petruccino. Ausschließlich von Sangiovese-Trauben aus Top-Lagen gekeltert, besticht er durch seine kräftige purpurne Farbe. Sein Veilchenduft, kombiniert mit einem Hauch von rotem Beerenobst, verstärkt noch den Eindruck der Jugendlichkeit. Am Gaumen ist zunächst eine geradlinige Mineralität wahrnehmbar, mit dichterem Tannin als im Vorgänger, gefolgt von erfrischenden Mentholnoten und dem charakteristischen Duft der mediterranen Küstenwälder. Der Abgang hinterlässt mit seinem zarten Mandelaroma den Eindruck von perfekter Typizität und Einzigartigkeit zugleich.

Petrucci Orcia DOC 2003
Die Prägung durch den außerordentlich heißen Sommer ist in diesem Jahrgang unverkennbar, die blumigen Aromen verflüchtigen sich umgehend um üppige dunkle Früchte, besonders Pflaume und Brombeere, hervortreten zu lassen. Es folgt eine Reihe von anregenden Gewürzaromen, vor allem Lakritz, aber auch Vanille, Pfeffer und Tabak. Sehr reif, aber nicht verkocht am Gaumen, kommt er mit vollschlankem Körper und seidigen Tanninen daher. Ein vorübergehendes taktiles Abflachen sowie das durch Röstaromen wie Kakao und Kaffeebohne geprägte Finale führen zu der genüsslichen Erkenntnis diesen Wein lieber auf den Tisch als in den Keller zu stellen.

Petrucci Orcia DOC 2002
Durch die völlig verregnete Saison wurden die Trauben für diesen Wein erst nach dem 15. Oktober gelesen, was denkbar geringe Erträge zur Folge hatte. Doch die anschließend nochmals handverlesenen Früchte waren durchweg reif und gesund. Den olfaktorischen Auftakt beherrscht eine für den Sangiovese typische kühle Frische, untermalt vom dezenten Duft der Gallica-Rose, reifen roten Früchten und einer Prise Pfeffer. Unerwartet, aber umso erfreulicher ist die Ausgewogenheit am Gaumen. Bei einer perfekten Balance von Tanninen und Säure besticht dieser Wein durch Länge und Intensität, ist seidig und prickelnd zugleich. Der beeindruckende Abgang suggeriert Schokolade, getrockeneten Tabak, Mocca. Ein Genuss für sofort, aber ein unvergessliches highlight für besondere Anlässe in einigen Jahren.
Die Lagenbezeichnung geht auf Pandolfo Petrucci zurück, der im 16. Jahrhundert Siena regierte und aus der benachbarten Ortschaft San Quirico d’Orcia stammte.

Guardiavigna Orcia DOC 2001
Der Spitzenwein des Podere präsentiert sich glanzvoll in einer Robe aus sehr dunklem, undurchdringlichem Rubinrot. Die erste Geruchswahrnehmung deutet auf extreme Reinheit, gepaart mit Eleganz und Komplexität. Auf eine Woge von grünen, gräsernen Düften folgt die berauschende Fragranz von Zentifolienrosen, das fast stechende Aroma von schwarzen Johannisbeerfrüchten und –blättern und schließlich eine männliche Note die an russisches Leder erinnert. Am Gaumen fühlt sich der Guardiavigna rund und voll an, mit cremigem Schmelz. In Einklang mit seiner Farbe entstehen Assoziationen zu dem Samt aus Damaskus der ganz großen Theater. Das Tannin ist dicht, sehr feinmaschig, saftig, von raffiniertem Schliff. Im unendlichen Finale schwingt wieder die Ribesnote mit, begleitet von einem pot-pourri aus dunklen Gewürzen wie Wachholder, Rhabarber und Chinabaumrinde. Einmalig. Die Trauben kommen von der besten Parzelle des Weinguts, die ihren Namen (Rebwacht) einem alten Turm verdankt. Er steht seit Jahrhunderten auf dem höchsten Punkt des Anwesens um über die Reben zu wachen.
Der verkostete Jahrgang 2001 besteht zu 60% aus Sangiovese, zu 20% aus Cabernet Sauvignon, zu 12 % aus Merlot und zu 8% aus Petit Verdot.

Im Anschluß an die Weinprobe fand ein erlesenes Dinner statt, zu dem die hier besprochenen Weine serviert wurden, einige davon aus der Magnum-Flasche. Die Gäste waren sich einig: die Weine aus dem Podere Forte sind absolute Weltklasse.

Elke Schmettow

Podere Forte – Agricola Forte ss
Podere Petrucci, 13
53023 Castiglione d’Orcia (Siena)
Tel. 0039. 0577. 88 85 100
Fax 0039. 0577. 88 87 21
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